Weise Einsicht
Auch bei den Wirtschaftsweisen, die das Handeln der Bundesregierung mit der überquellenden Gnade ihrer angesammelten Weisheit begleiten, ist die göttliche Einsicht in die unabdingbare Notwendigkeit neuerlichen Wetterzaubers zur Belebung des Konjunkturklimas eingekehrt und in einer mutigen und richtungsweisenden Studie zusammengeflossen: Damit auch der letzte Fortschrittsfeind den Segen der Arbeit erfahren kann, muss der Widerstand der immer noch beharrenden Staatsschmarotzer eben durch Verelendung und Aushungern gebrochen werden. Dies kann am besten durch eine Kürzung des staatlich ausgezahlten Geldes auf den immer noch zu üppigen Betrag von rund 240 Euro geschehen, die sicherlich nur ein erster Schritt in die richtige Richtung ist. Selbst in diesem kleinen Schritt zeigt sich der gesellschaftliche Weitblick dieser nicht zu Unrecht als weise bezeichneten Experten für die Öffnung der Massen für das aus dem unerschöpflichen Füllhorn der Arbeit fließende Glück — schon diese unzureichende Verbesserung der Motivation zur Arbeit stößt bei einigen notorischen Pessimisten und anderen Untergrundkommunisten auf polemisch geäußertes Unverständnis. Zur Brechung dieses Widerstandes muss die Kürzung der unverdienten Gnade für das arbeits- und segensscheue Pack um hundert Prozent eben in mehreren Schritten durchgeführt werden. Hier zeigt sich die volle Wucht der Weisheit und die tiefe Vernunft unserer wirtschaftlichen Wetterpriester.
Sehr feinsinnig wurde in dieser Studie auch erkannt, dass sich der Zwang zur Arbeit nicht mehr durch die allgemeine Lebensnot begründen lässt. Deshalb wurde für die Almosen-Empfänger die Schaffung neuer Möglichkeiten zum Hinzuverdienst angeregt. Der auf diese Weise entstehende neue Arbeitsmarkt mit staatlich subventionierten Elendsarbeitern lenkt die Aufmerksamkeit nicht mehr auf die Existenzsicherung durch einen angemessenen Lohn, sondern auf die Arbeit als Selbstzweck. So wird die ganze Republik in eine Einrichtung zur Gewöhnung an Arbeit umgestaltet, auf dass sich auch das härteste Herz für das Glücksgefühl an der Arbeit an sich öffnet. Mit so erzogenen Menschen wird ein neuerliches, großartiges Wirtschaftswachstum möglich, das zu einer allgemeinen Verbesserung der Zahlen und damit der Gewinne für das in Aktien investierte Großkapital führt.
Hier wird wahrlich mutige Zukunftspolitk propagiert und offen ausgesprochen, was unter falscher, heuchlerischer Rücksichtnahme bislang nur im Dunkel und Dünkel der Ausschüsse und Thinktanks geäußert wurde. Auch diese tapfere Offenheit ist ein wirksames Mittel zur Erziehung des gesamten Volkskörpers zum wirtschaftlichen Kampf. Mit solchen Führern wird bald schon jeder dritte reich sein.
6. September 2006 at 15:49
ich habe es immer gewusst, eines tages werde ich geoutet. in aller öffentlichkeit, wie kerkeling durch rosa von praunheim. ich bin erleichtert, endlich fühle ich mich frei. endlich kann der rote stern in meinen blog….danke, danke…
da war doch no was: achja, klasse beitrag
3. Oktober 2006 at 21:56
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