Der Sinn des Festes

Wir dürfen die Deutung des traditionellen Weihnachtsfestes nicht den Kirchen und anderen Institutionen überlassen, die mit zäher und dummer Kraft an einer verwesten Vergangenheit festhalten.

Kein Fest im Jahreskreis der zivilisierten Völker war wandelbarer als das Weihnachtsfest. Wir brauchen den Mut und den nach vorn gerichteten Blick, dieses Fest erneut an die verfeinerte Kultur der totalen Geldherrschaft anzupassen. Die rückwärtsgewandte christliche Deutung des Geschäftes zum Jahresende muss über Bord geworfen werden.

Dies ist kein einmaliger Vorgang in der Geschichte dieses Festes. Niemand denkt heute mehr an die germanischen Sonnwendfeiern; niemand sieht mehr die infantile imitative Magie in den Kugeln, Lichtern und grünen Zweigen, die einen neuen Frühling und neue Fruchtbarkeit beschwören soll. Die christliche Religion hat diese Deutungen ausgetrieben und das Fest umgedeutet, was dem Feste keinen Abbruch tat.

Doch die Zeit der christlichen Religion ist gezählt. Wer interessiert sich noch für die Geburt eines bekifften Juden namens Jesus, dessen schwules Reden von Liebe und Gerechtigkeit schon damals nur hoffnungslos Gläubige und Asoziale erreichte und dessen völliges Versagen sich 35 Jahre später in der gerechten Hinrichtung unter Mördern und Räubern offenbarte? Niemand denkt daran. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.

Die einzige angemessene Deutung des neuen Weihnachtsfestes kann nur eine Deutung im Sinne der totalitären Wirtschaft sein. Weihnachten ist das Fest, das dem hemmungslosen Konsum zu widmen ist. Denn nur, wenn die industriellen Produkte verbraucht und in nutzlosen Müll verwandelt werden, geht es aufwärts. Im Zeitalter der Glühlampe interessiert sich niemand mehr für kitschigen Kerzenschein; und im Zeitalter der Banknoten und Aktien bedarf keiner einer göttlichen Erlösung. Was dem menschlichen Streben verbleibt, ist die Hoffnung auf und der Einsatz für den ungebremsten wirtschaftlichen Aufschwung, auf das ewige exponentielle Wachstum. Das ist der einzig sinnvolle Sinn eines solchen Festes.

Und in diesem Sinne sollten wir Weihnachten feiern. Feiern, indem die Verbraucher sich aufs Verbrauchen besinnen. So allein kommt die Wirtschaft wieder auf einen grünen Zweig, und das ist die Hauptsache.

In der Politik wurde teilweise verstanden, worauf es ankommt. Deshalb wurde in einigen Bundesländern der BRD rechtzetig zum großen Jahresabschlussgeschäft das unsinnige Verbot des Sonntagsverkaufs aufgehoben, auf dass dem Konsum alle Tore weit aufgesperrt wurden. Ein zaghafter Schritt in die richtige Richtung. Aber auch nur ein kleines Licht, vergleichbar einer flackernden Kerze; und keineswegs der gleißende Schein der neuen Zeit.

Wir brauchen den Mut, das Fest aufs Neue zu definieren.

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