Für die Null-Euro-Jobs
Wenn die Vertreter der totalen wirtschaftlichen Vernunft an den so genannten 1-Euro-Jobs immer etwas gestört hat, dann war es die Tatsache, dass immer noch ein Euro in der Stunde gezahlt werden muss. Das sind immense Kosten, die vermieden werden müssen, um auch in Zukunft noch wachsende Zahlen und erigierte Erfolgswinkel in Deutschland zu sehen.
Doch das unbegreifliche Wunder der Vorsehung gab uns das Institut zur Zukunft der Arbeit. Dort ersann man das weise und Glück bringende Konzept der Workfare. Für diese ganzen Wachstumsverhinderer, die immer noch der schwärmerischen Idee anhängen, dass man für Arbeit bezahlt werden sollte, wird endlich die Bürgerarbeit eingeführt. Diese wird 39 Stunden in der Woche zum Nulltarif durchgeführt. Und wer nicht arbeitet, der soll ganz biblisch auch nicht essen (oder wohnen oder weiterleben). So gefällt uns die Bibel. So kriegen endlich auch diese Schmarotzer einen Eindruck vom Honigseim des Segens der Arbeit, das Problem der Lohnkosten löst sich in Wohlgefallen auf und die Vollbeschäftigung im Deutschen Reichtum fällt ganz von allein ab. Denn diese Zwangsarbeiter sind endlich billiger als die Menschen in Elendsländern. Kein Wunder, dass sich auch weise Lenker wie Michael Glos begeistert zeigen. Da kann ruhig von diesen Untergrundkommunisten aus der SPD ein Mindestlohn eingeführt werden, wenn gleichzeitig billige und willige Sklaven zur Verfügung stehen. So macht man Wachstum.
Wie wunderbar doch abläuft, was der Wirtschaft Heil bringt. Dank der langsamen Entrechtung der Arbeiter ist jedes Schwärmen von klassenkämpferischen Ideen oder gar einer Revolution erstickt, und endlich kann die Peitsche richtig geschwungen werden! So geht es weiter und weiter aufwärts und aufwärts in Deutschland, und bald schon ist jeder Dritte Reich. (Zumindest unter Unternehmern.)
18. Mai 2008 at 22:31
Sehr schön geschrieben
10. Juni 2008 at 21:14
Oh ja, wirklich sehr schön – besonders der erste Absatz und der Schlusssatz, kann man nicht besser ausdrücken
22. August 2008 at 18:27
Die angstvollen Visionen eines Arbeitslosen, der vor seinem inneren Auge die schlimmsten Umstände sieht, die ihn betreffen können, ist eine unersetzliche Fundgrube an Ideen und Alternativen für Zwangsreformen.
Man muß denen nur genau zuhören. Sie erzählen Dir von ganz allein, wie man sie am Arsch kriegt!
Du brauchst nur zu fragen: “Hey, Prekärer, wovor hast Du am meisten Angst?”, und egal was er für eine apokalyptische Antwort gibt; Du sagst einfach: “Danke, das machen wir dann mal so.”
Auszug aus “Labora et ora – arbeite und bete”
“Labora et ora” ist eine “neoliberale Groteske zum Zwecke der Erhellung und Vergegenwärtigung der Entstehung prekärer Sozialformen“, behandelt die fiktive Erfindung des 3. Arbeitsmarktes und basiert auf 40 Zitaten von Gerhard Schröder, Peter Hartz, Wolfgang Clement, sowie Angela Merkel.
22. August 2008 at 18:29
sorry, hier der Link: http://laboraetora.wordpress.com